Erfahrungsbericht

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es nicht so leicht ist, eine Zurückstellung von der Schule für ein Jahr genehmigt zu bekommen.

Mein Sohn war 5 Jahre alt bei seiner Schuluntersuchung und ich wusste schon vorher, dass es kein Zuckerschlecken wird, durchzusetzen, dass mein kleiner Mann für 1 Jahr zurückgestellt wird. Mein Gefühl sagte mir, dass es noch nicht an der Zeit ist. Es ist eben das altbekannte Bauchgefühl, welches Mütter manchmal haben. Und dieses Bauchgefühl hat mich bisher nie getäuscht. Ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass mein Zwerg in der Schule zurechtkommen wird.

Er war noch zu verspielt, konnte sich schlecht konzentrieren und hatte nur Blödsinn im Kopf. Außerdem sagte er mir ständig, dass er noch nicht zur Schule möchte, weil er Angst vor Schule hat. Bei dem Entwicklungsgespräch im Kindergarten wurde mir dann auch nahe gelegt, dass ein weiteres Jahr im Kindergarten empfehlenswert wäre. Mein Sohn hätte Schwierigkeiten sich zu konzentrieren und ist im Umgang mit anderen Kindern noch zu unreif. Ich bekam den Entwicklungsbericht über 3 A4-Seiten ausgehändigt, war erleichtert und fühlte mich in meinem Denken bestätigt.

Bei der Schuluntersuchung nahm ich dieses Schreiben mit. Außerdem holte ich mir schriftliche Einschätzungen vom Ergotherapeuten und der Physiotherapie, wo mein Sohn seit ein paar Monaten in Behandlung war. Diese Unterlagen wurden bei der Schuluntersuchung vom Schularzt sorgfältig gelesen. Dieser meinte, mein Sohn wäre nach eigener Einschätzung bereit für die Schule, zumindest was seinen Wissensstand angeht. Was die soziale Kompetenz betrifft, könne er sich aber kein Urteil erlauben. Mir wurde gesagt, dass ich in den nächsten Tagen einen Anruf vom Schulpsychologen erhalten werde, der dann einen Termin vereinbaren wird. Der Anruf kam nach 3 Tagen. Die nette Psychologin stellte mir viele Fragen zum Verhalten meines Kindes, um sich vorab schon einmal ein Bild von ihm zu machen. Auch meine Gedanken interessierten sie sehr. Der Termin mit meinem Sohn war dann 6 Wochen später. Bei der „Untersuchung“ war ich nicht mit dabei.

Ganze 3 Stunden nahm sie sich Zeit für ihn und lies ihn diverse Aufgaben lösen. Nach der Untersuchung durften wir uns direkt wieder verabschieden. Sie müsse die Unterlagen in Ruhe prüfen und werde mir ihre Entscheidung dann telefonisch mitteilen. Nach der mehrstündigen Sitzung war mein Kind fix und fertig. Er machte sogar Mittagschlaf, obwohl er vor 2 Jahren schon beschlossen hat, diesen abzuschaffen. Er meinte, die Aufgaben waren eigentlich ganz leicht, nur die vielen Fragen fand er „blöd“ und er hätte später keine Lust mehr gehabt. Nach einer Woche bekam ich den ersehnten Anruf der Schulpsychologin. Sie stimmte einer Zurückstellung zu, weil sie aus psychologischer Sicht die Defizite wie Unkonzentriertheit und Unreife erkennen konnte. Und wieder machte sich Erleichterung breit. Nun musste ich nur noch auf den Brief der Schule warten, der mir schwarz auf weiss bestätigte, dass mein Kind für 1 Jahr zurückgestellt wird. Sie können sich bestimmt vorstellen, dass mir ein riesen Stein vom Herzen gefallen ist, als dieser dann nach 5 Wochen endlich bei mir eintrudelte.

Viele Eltern empfinden es für zu früh, ihr Kind einschulen zu lassen. Gerade bei den Kindern die gerade erst 6 Jahre alt geworden sind, hat man das Gefühl, dass sie noch nicht so weit sind, den anstrengenden Schulalltag zu bestehen. Sie sind noch zu verspielt, zu unkonzentriert und überhaupt fühlt man als Elternteil doch, dass es noch nicht an der Zeit ist. Es ist nicht nur schöner sondern, auch aus pädagogischer Sicht, besser noch 1 Jahr länger spielen zu können. Leider dürfen die Eltern die Entscheidung der Zurückstellung nicht selbst treffen.